DC, wir müssen reden! Über Brüste.

Brüste?! Jawoll! Denn darum geht's hier. Wie ihr wisst, ist mein kleines comicliebendes Herzchen sowohl Marvel als auch DC gegenüber immer aufgeschlossen gewesen. Bis jetzt. Denn einerseits liebe ich DC's weibliche Charaktere wie Catwoman, Harley Quinn, Poison Ivy, Batgirl & Co - und immerhin ist ja mit Wonder Woman quasi die erste Superheldin überhaupt dort zu Hause (die 75 Jahre sieht man ihr gar nicht an, huh!).

Andererseits betrübt mein kleines Herzchen, was DC in letzter Zeit mit ihnen anstellt. Nicht nur, dass ich verschmerzen muss, dass DC seit Brubaker's Catwoman nichts vergleichbares mehr mit meiner Lieblingsheldin hinbekommen hat, wird auch noch systematisch eine Superheldin nach der anderen immer weiter ausgezogen. Anstatt Innovationen bekomme ich von meinen Heldinnen einfach immer mehr Haut zu sehen. Warum tust Du das, DC? Warum? Es nervt mich.

Ich rede ja gar nicht davon, dass Poison Ivy hier und da nur mit einem Hauch Grünzeug bedeckt ist (die ist halt ein Naturkind, die darf das!) oder Wonder Woman seit Anbeginn ihrer Zeitrechnung sowieso nur in kurzer Hose und Stiefeln durch die Gegend läuft - aber wenn selbst das (!) noch zuviel zu sein scheint und sie sich in Harley's noch knapperes Outfit zwängen muss, dann hört's langsam auf. Von Harley's Kostümtransformation mal ganz angesehen. Das geht ratzfatz! Eben noch ein Ganzkörperanzug und dann zack, immer weniger, bis (zwischenzeitlich) nur noch Höschen & BH übrig waren.

Auch Katana musste neuerdings ihr fesches Kostüm (zumindest obenrum) gegen ein Unterhemd austauschen und auch Batwoman, Batgirl & Co. dürfen sich als DC Bombshells nun mit knappen Kleidchen und Röckchen anfreunden. Batwoman! Meine Güte! Mit dem Inhalt und der charakterlichen Darstellung der Heldinnen in Bombshells habe ich übrigens kein Problem (lest hier), Frauenpower pur. Yay.

Meanwhile bei Marvel:

Black Widow nach wie vor im Ganzkörperanzug (na gut, es ist Latex, aber hey, das ist ja quasi Tradition), und der Reißverschluß bleibt - im Gegensatz zu Catwoman's Anzug - auch da, wo er im Nahkampf hingehört: oben! Gucken wir uns mal weiter um: Kurze Höschen bei Captain Marvel? Nö. Mrs. Marvel? Erst recht nicht. Thor? Nope. Wolverine? Haha, nee. Sowas! Hm... 

Wieso schafft Marvel es, seine Heldinnen so zu präsentieren, wie es sich für moderne Heldinnen gehört - und DC nicht? Und ja, natürlich gibt es hin und wieder auch Ausnahmen (Batgirl sei Dank!) und Captain Marvel steht auch mal im Unterhemd da, aber im Großen und Ganzen scheint Marvel da einen Schritt weiter zu sein. Von Independent-Publikationen wie SAGA, BLACK MAGICK & Co. mal ganz abgesehen!

Also DC, was ist Deine Ausrede? Sind es die Fans? Glaubt ihr, die wollen das? Fallen euch keine inhaltlichen Neuerungen ein? Charakterliche Stärke, Coolness und eine Prise cojones - DAS will ich bei meinen Heldinnen sehen. Nicht einfach nur ihren Schlüpper oder ihre Brüste. DC, bitte tu was. Es wird Zeit.

 

Es verbleibt optimistisch,

 

Deine Heldin in Strumpfhose

 

PS: Natürlich gibt es (wie gesagt) bei beiden Verlagen Pro- und Kontrabeispiele, aber es geht mir um den Eindruck, den man bekommen kann. Deshalb habe ich Beispiele aktueller Serien bekannter Heldinnen gewählt. Denn wenn sich ein junges Mädchen (oder ein Neu-Einsteiger) einen der vorgestellten Comics kauft, weiß die Person ja dann auch nicht, dass das bei Figur XY aber anders ist. Darum geht es.


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Kommentare: 6
  • #1

    Ralf Singh (Sonntag, 12 März 2017 18:25)

    Batwoman, Shade The Changing Girl. Batgirl, Wonder Woman.... Es gibt sowohl bei Marvel als auch DC Positiv- und Negativbeispiele. Insgesamt nur mittelmäßig bis schlecht recherchiert.... Wünsche mir das ausführlicher und besser recherchiert!!!!

  • #2

    Heldin in Strumpfhose (Sonntag, 12 März 2017 18:33)

    Naja,
    es ist ein subjektiver Eindruck, den ich aktuell habe und er bezieht sich auf die bekanntesten Heldinnen und deren aktuelles Auftreten. Dass es jeweils bei beiden Verlagen Pro- und Kontra-Beispiele gibt und immer geben wird, ist ja klar.

  • #3

    Marco von Luzismedienecke (Sonntag, 12 März 2017 18:36)

    DC scheint sich halt immer noch auf ein spätbubertierendes Nerd-Publikum zu versteifen, dass wohl nach Meinung von irgendwem genau darauf abfährt. Mal ganz außer Acht gelassen, dass das Publikum inzwischen viel bunter und breiter ist als in den 80ern oder 90ern und vor alles auch immer mehr Frauen und Mädchen umfasst.
    Sicher, manches Kostüm ist vllt mal nett anzusehen. Ich bin auch nur ein Mann. Es reduziert die Heldinnen allerdings auch sehr auf ihre Erscheinung und das geht halt gar nicht. Ein erfreuliches Gegenbeispiel ist der Weg den Marvel mit der aktuellen Ms. Marvel Kamala Khan geht. Die ist nämlich kein Stück sexualisiert sondern überzeugt durch Persönlichkeit und glaubhafte Charakterentwicklung. Das hat DC scheinbar noch nicht so drauf und vielleicht auch einfach kein interesse dran. Die Figuren scheinen dort etwas festgefahren und wohlbekannt zu sein. Ein mutigeres Redesign einiger Heldinnen könnte sicher helfen. Vielleicht auch um den Preis bekannten Figuren ein echtes Reboot zu verpassen und sie von Grund auf neu zu definieren. Auf Dauer leidet nämlich vor allem die Vielfalt der Comics und der Figuren darunter.
    Man möge mich allerdings nicht falsch verstehen: Eine selbstbewusste, starke und meinetwegen auch wohlproporttionierte Heldin hat jedes recht hat sich sexy zu fühlen und auch entsprechend zu geben und zu kleiden. Das soll sie sogar wenn ihr danach ist. Das muss jedoch in der Persönlichkeit der Figur begründet sein und nicht jeder Figur durch ein Outfit aufgezwungen werden. Und unbedingt praktisch ist das sicher auch nicht immer wenn man ständig überall dran herumzupfen müsste damit nichts rausfällt ;D

  • #4

    Stancheck (Sonntag, 12 März 2017 18:44)

    Die Mädels sind heute kein Beiwerk mehr. Liefield hat für DC und Marvel, die Mädels mit großem Holz vor der Hütte gezeichnet, beim nächsten Zeichner sieht es dann wieder anders aus. Ist halt wie GZSZ. . Immer nur schöne Menschen werden gezeichnet. Wichtiger ist das was die Autoren aus den Figuren machen.

  • #5

    Ralf Singh (Sonntag, 12 März 2017 19:14)

    "Naja,
    es ist ein subjektiver Eindruck, den ich aktuell habe und er bezieht sich auf die bekanntesten Heldinnen und deren aktuelles Auftreten. Dass es jeweils bei beiden Verlagen Pro- und Kontra-Beispiele gibt und immer geben wird, ist ja klar."


    Warum ist der Titel dann nur an DC gerichtet? Ich finde das Thema zu wichtig und umfangreich als es nur mal eben so halbherzig durchzuarbeiten. Und was ist mit Wonder Woman? Die ist doch die bekannteste Heldin aus dem Hause DC. Schau dir mal alles von Greg Rucka geschriebenes an (der u. a. auch Lazarus und Black Magick bei Image macht). Der Mann hat Frank Cho vergrault weil dieser zuviel Unterwäsche gezeichnet hat auf den Wonder Woman Covern.

  • #6

    Thomas Faßnacht (Sonntag, 12 März 2017 23:46)

    Hmm... ich kann dem nur bedingt zustimmen.
    Das Wonder Woman-Bild stammt aus der Harley Quinn-Serie, die dank dem Autorenpaar Amanda Conner / Jimmy Palmioti einen eher juvenil-derben Humor pflegt; auch ist gerade die Autorin (siehe die Cover) für ihre ausladend-femininen Formen in ihren Zeichnungen bekannt. In der aktuellen Wonder Woman-Serie käme so ein Gag (WW wird in zu kleine Klamotten gezwängt) nicht vor.

    Mehr noch irritiert mich jedoch der Hinweis auf "Bombshells", eine Serie die, wie sie ja in ihrer Rezesion richtig schreiben, ursprünglich auf Statuen beruht von Superheldinen als - genau, als "Bombshells", als Sexsysmbole/PinUp-Girls die man auch auf Fliegern im Zweiten Weltkrieg finden könnte. Dass dieser Look / Feel in der Serie nicht einfach aufgegeben werden kann (und sollte) liegt für mich auf der Hand. Aber die Serie, die ihnen ja durchaus zusagt, schafft es diesen Spagat in meinen Augen - Heldinnen in kurzen Röckchen als 40er-Jahre-Fantasie, aber unabhängig und taff a´la Rosie the Riveter, als Feministische Ikonen.

    Ich denke man kann das auch nicht an DC festmachen: Wenn es für die Serie Sinn macht dann kann man denke ich durchaus weibliche Formen zeigen - wenn der Autor Cat Woman´s oder Black Widows Sex Appeal betonen will dann kann ein Reissverschluß auch mal etwas nach unten gezogen sein. Marvels She Hulk-Serien lassen sie notorisch in Unterwäsche dastehen, sind jedoch auch meist so geschrieben dass sie sich über den Fakt lustig machen. Zum Teil ist es aber auch einfach ein Ikonischer Look (Zatanna & Black Canary mit ihren Netzstrumpfhosen) den sie ja Wonder Woman auch nicht absprechen.

    Wenn sie mal einen Verlag als Negativ-Beispiel nennen wollen dann würde ich Zenescope (deutsch auch Panini) vorschlagen mit ihren Grimm Fairy Tales - die bieten 100% für die Story sinnlose "Sex sells"-nackte Haut und tiefe Einblicke und - man muss fast schon "tragischerweise" sagen - zum Teil echt gute Storylines :-(